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Vom Kanarienvogel zum Hightech Atemschutz

Tierische Sensoren

Kanarienvögel wurden ‚anno dazumal’ als Alarmeinrichtung, zur Warnung vor den gefürchteten Grubengiftgasen wie Kohlenmonoxid und zu geringem Sauerstoffanteil in der Umgebungsluft, im Steinkohlebergbau verwendet. Situationen in denen sich das sogenannte ‚böse Wetter’ entwickelte, entstanden aufgrund der sich aufbauenden toxischen Gase und der Verdrängung von Sauerstoff.

Der arme Kanarienvogel eignete sich hierfür besonders gut, da er im Gegensatz zu anderen Vögeln oder Kleintieren sehr sensitiv und schnell auf Kohlenmonoxid reagierte, aufhörte zu singen, ohnmächtig oder gar tot von der Stange fiel – das Alarmzeichen zur Flucht.

„Böse Wetter“ und Selbstrettung im Bergbau

Der Aufenthalt in „bösen Wetter“ ist für den Menschen sehr gefährlich, deshalb wurden mit der Zeit verschiedene Atmungsgeräte entwickelt, die den Aufenthalt in diesen hochtoxischen Situationen für eine bestimmte Zeitspanne, oder zur Flucht, ermöglichten. Es gab und gibt unterschiedliche Varianten, von einfachen Gesichtsmasken bis hin zu Tornister Geräten und Ganzkörperschutzanzügen. Gesichtsmasken können, je nach Aufbau der Filter und Zusammensetzung der Chemikalien in der Umgebungsluft, diese z.T. absorbieren und ermöglichen so die Arbeit in, mit diesen Gasen vermischter Atemluft. Für den Steinkohlebergbau wurden z.B. Atemschutzgeräte und „Filterselbstretter“ entwickelt, die den Bergleuten als Fluchtgerät bei einem Grubenbrand mit Kohlenstoffmonoxidentwicklung dienten. Heutzutage werden für einen längeren Aufenthalt in „bösen Wetter“ spezielle Fluchtkammern bereitgestellt.

Arbeitsschutz und Nanopartikel

Im Rahmen der fliegerischen Tätigkeit kann es passieren, dass die Crews auch einem ‘bösen Wetter’, in diesem Fall ‘fume event’, mit schädlichen, manchmal sichtbaren Rauch und neurotoxischen, oft unsichtbaren Gasen ausgesetzt werden. Der Sauerstoffanteil in der Atemluft ist in diesem Fall drastisch verringert.

Der Arbeitssschutz verlangt, dass bei Unvermeidbarkeit von Tätigkeiten in diesen Umgebungen, Atemschutzausrüstungen (und Warnmelder) zur Verfügung stehen müssen.

Von einfachen Staubmasken bis hin zu komplexen Atemgeräten stehen vielfältige Systeme zur Auswahl. Da die giftige Wirkung der einzelnen Substanzen recht unterschiedlich ist, kommt es auch auf ihre Konzentration und Dauer in der Atemluft an. Für Gase, wie z.B.  Kohlenstoffmonoxid (CO) sind im Bergbau bestimmte Höchstgrenzen vorgeschrieben – wie sieht es dafür im Flugzeug aus?

Das eine ist unter Tage, das andere hoch oben in der Luft, einem hermetisch abgeschlossenen Arbeitsplatz, ohne Fluchtweg – eine völlig andere Umgebung.

Es gibt Aerosole welche aus einem Gemisch aus festen und flüssigen Schwebeteilchen bestehen. Die Schwebeteilchen heißen Aerosolpartikel oder Aerosolteilchen. Die kleinsten Partikel sind unvorstellbar klein: wenige Nanometer groß. Zudem ist ein Aerosol ein dynamisches System welches ständigen Änderungen unterliegt, z.B. durch Kondensation von Dämpfen an bereits vorhandenen Partikeln, Verdampfen flüssiger Bestandteile der Partikel, Koagulation kleiner Teilchen zu großen, oder Abscheidung von Teilchen an umgebenden Gegenständen.

“Staub” ist die Sammelbezeichnung für feinste, feste Partikel verschiedener Größen und verschiedenen Ursprungs, die einen gewissen Zeitraum in Gasen, insbesondere in der Luft suspendiert, bleiben können.

Diese ultrafeinen Partikel sind fester Bestandteil von Produktions- und in unserem Fallbeispiel , Verbrennungsprozessen. Unsichtbar, oft geruchlos und lungengängig stellen sie ein ungewisses Risiko für Menschen die diesen Nanopartikeln ausgesetzt sind, dar. 

Ein Schutz vor toxischen Gasen kann nur durch Warngeräte und Masken mit speziellen Filtern erreicht werden und ist ein wesentlicher Bestandteil der Vorschriften im Arbeitsschutzrecht. Masken mit unterschiedlichen Schutzeinstufungen sichern auch im Fall von ultrafeinen Partikeln den Schutz der Atemwege – jedoch nur bei richtiger Anwendung und richtiger Filtrierung/-kartuschen!

Schutzmasken und Airline Politik

Keine der grossen Atemschutzmasken herstellenden Firmen wollte auf meine Anfrage hin eine Garantie geben, dass es einen 100%igen Schutz vor “allen” Substanzen, die in den durch grosse Hitze entstehenden thermo-chemischen Spaltungsprozessen (Pyrolyse) organischer Verbindungen entstehen und als Rauch-, Dunst- oder/und ‘Geruchs’-entwicklungen durch Zapfluftleckagen und deren Vermischung mit anderen, im Flugzeug vorkommenden Chemikaliendunstwolken, gibt.

Ausnahme: der von der Umgebung hermetisch abgeschlossene Ganzkörperschutzanzug mit befestigter Vollmaske und integrierter Sauerstoffbeatmung.

Mein Vorschlag, ob denn diese Firma nicht gleich eine Maske speziell für die Zapfluft und andere toxische Stoffe an Bord eines Flugzeuges entwickeln  könnte, wurde mit einem Lachen quittiert – ich war mir nicht ganz sicher ob es hämisch oder belustigt war – der begleitende Kommentar war: „ … das geht nicht, da fängt die Politik an … und vergessen Sie nicht, dass die Airline Industrie zu unseren Großabnehmern gehört.“.

Im modernen Bergbau werden spezielle, für das jeweilige Gas abgestimmte Messgeräte zur Früherkennung eingesetzt, Schutzkleidung und Schutzmasken und sogar Fluchtkammern bereit gestellt.

Und im Flugzeug? Nichts von alledem. Die Crew-Rauchschutzhaube ist an sich für die Flucht aus der Gefahrenzone gedacht und bietet nur für ca. 15 Minuten Schutz, aber auch nicht vor allen Substanzen  – und: wohin im Flugzeug? Die fumes hängen in der Luft und viele Substanzen legen sich in der Umgebung nieder, wie Wischproben nachgewiesen haben; bis zur Landung dauert es oft sehr viel länger als 15 Minuten.

Und so gibt es, bis auf Weiteres immer noch Kanarienvögel. Menschliche.

Meine Empfehlung ist, dass Jede/r eine das halbe, oder das volle Gesicht bedenkende Atemschutzmaske bei sich tragen sollte. Da sie meist groß und etwas unhandlich zum Verstauen sind, würde ich eine im Handgepäck unterbringen und für den Notfall, wenn man gerade nicht in der Nähe seiner Tasche ist, eine kleine, faltbare qualitativ hochwertige Maske in der Jacken-/Hosen-/ Rocktasche, um wenigstens einen Schutz zu haben, der sich laut Herstellern ‚selektives Filtern’ nennt. Welches heißt: viele, aber nicht alle Partikel/ Substanzen werden gefiltert; selbst die großen Masken haben unterschiedliche ‚Kartuschen’, die nur für bestimmte Partikel und Substanzen geeignet sind.

Besser als gar nichts?

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