Loading...

FAQ

Willkommen bei den am häufigsten gestellten Fragen an mich!

Hier findest Du die häufigsten Fragen, denen ich begegne. Viele Fragen wurden schon von anderen Aktiven sehr gut beantwortet, deswegen verweise ich ab und an auf andere Seiten.  

Bitte bedenke beim lesen, dass die Antworten meine sehr persönliche Sicht der Dinge sind und die ein oder andere Emotion dazwischen funkt. Im Grunde beziehe ich mich ausschließlich auf wissenschaftliche Fakten oder persönliche Erfahrungen. Häufig decken sich diese Erfahrungen mit den Erfahrungen anderer geschädigter Crewmitglieder.

Manchmal lesen sich die Antworten auch verschwörungstheoretisch. Sei versichert, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich auch glauben, es handelt sich um eine Verschwörungstheorie…

Und Nein, ich bin nicht hysterisch 😉

Wenn Du noch eine Frage hast, freue ich mich auf deine Nachricht!

Erlaubt mir mit meiner Lieblingsfrage anzufangen. Jede/r Betroffene hat Sie wirklich schon hundert Mal gehört und… nun ja… sie löst Emotionen aus. Auch bei mir.

Zum einen frage ich mich immer, wie denn ein nervengeschädigter Mensch aussieht? Zum anderen welche Art von Symptomen der andere erwartet?

Meine Recherche bei Google konnte mir kein klares Bild vom Äußeren eines aerotoxischen Menschen liefern. Ich kann nur sagen, die meisten von uns sehen noch gut aus, was nicht heißt, dass es uns gut geht. Natürlich gibt es aber auch Betroffene, denen man es sehr wohl ansieht, besonders im akuten Stadium, z.B. wenn sie Parästhesien im Gesicht oder den Extremitäten haben oder Betroffene, die schon seit Jahren erkrankt sind und z.B. Tremores haben.

Im Prinzip fühle ich mich, als ob ich auf einen Schlag um 50 Jahre gealtert wäre. Viele Dinge konnte ich direkt nach dem Unfall gar nicht mehr. Ich konnte nicht mal mehr die 400m zum Kindergarten meines Sohnes laufen, ohne völlig außer Atem zu sein und mich zu fühlen, als ob ich geraden den Boston Marathon gelaufen wäre.

Mittlerweile kann ich viele Dinge wieder, z.B. klar denken. Den Schwindel der jeden Tag da ist, den sieht man aber leider nicht.

Man sieht mir meine Erkrankung nicht an… zum Glück! Und trotzdem ist sie da.

Meistens liegt es aber auch daran, dass Du mich nur an guten bis sehr guten Tagen zu sehen bekommst. Zum Glück überwiegen auch diese wieder. An Tagen, an denen es mir schlecht geht, liege ich zusammengekauert zu Hause im Bett.

Wenn Du mehr zu den Symptomen des Aerotoxischen Syndroms erfahren willst, dann gehe einfach zu FAQ #2.

Und vergesse nie- Flugbegleiter*innen lächeln immer!

Ich hatte insgesamt 5 Fume Events. Nach dem ersten Fume Event habe ich keine Symptome erkannt. Natürlich wußte ich auch nicht, was für Symptome typisch für Vergiftungen mit kontaminierter Kabinenluft sind. Nach dem zweiten Fume Event fühlte ich mich, als ob ich einen ganz schlimmen Kater hätte, nur fehlte die Party am Vorabend. Dies ging aber auch nach 2 Tagen vorbei.  Ab dem 3. Fume Event bemerkte ich hauptsächlich die anhaltenden, bleiernde Müdigkeit. Dazu kam, dass ich mich ständig gestresst und teilweise auch überfordert fühlte. Ich habe das der Tatsache zugeschrieben, dass ich bis zum Anschlag geflogen bin und mich eben in einer Doppelrolle, als Arbeitnehmerin und Mutter, befand. Ich war extrem infektanfällig, auch hier hatte ich eine gute Erklärung- der Kindergarten meines Sohnes als Bakterien-Mutterschiff. Ab dem 4. Fume Event ging es gesundheitlich bergab. Eigentlich hätten uns die Ärzte in Miami nach dem Event nicht weiterfliegen lassen dürfen- alle Crewmitglieder waren symptomatisch. Infos zur Bandbreite der Symptome kannst du hier finden.

Ca. 14 Tage nach dem 4. Event bekam ich die Mandelentzündung meines Lebens. Auch nach überstandener Entzündung war ich antriebslos und einfach nur schlapp. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, selbst Klatschblätter lesen fand ich zu anstrengend. Ich habe wahnsinnig viel geschlafen und mich nie fit gefühlt.

Und dann kam der 5. Kabinenluftvorfall. Nachdem der Geruch eingesetzt hatte, bekam ich Kopfweh und ein Kratzen im Hals. Ich fühlte mich irgendwie aufgeschwemmt. Nach ca. 2 Stunden (ich war schon nicht mehr im Flugzeug) setzte Husten ein. Wenig später Schmerzen entlang der Wirbelsäule und ein Kribbeln in den Extremitäten. Ich fühlte mich nervös, aufgedreht und konnte die rasenden Gedanken in meinem Kopf nicht bändigen. In den ersten Nächten nach dem Unfall konnte ich nicht zur Ruhe kommen und kaum schlafen.  Als ich nach Hause kam konnte ich Unterhaltungen nur schwer folgen, ich antwortete nicht, wenn ich angesprochen wurde, mir fehlten Worte, wenn ich sprach. Ich war bei jeder noch so kleinen Anstrengung sofort außer Atem, flippte wegen jeder Kleinigkeit total aus. Dazu kam auch immer wieder Herzrasen. Verstopfung und Durchfall wechselten ab, beides begleitet von schlimmen Bauchkrämpfen. Und immer diese schreckliche Müdigkeit. Und immer wieder Schmerzen am ganzen Körper, als ob mein ganzer Körper „on fire“ wäre.

Drei Tage nach dem Unfall, konnten meine Symptome durch Frau Priv.- Doz. Dr. Heutelbeck objektiviert werden. Später auch von weiteren Ärzten. Ich habe mir das alles nicht eingebildet- ich litt an Vergiftungserscheinungen ausgelöst durch die Unfälle mit kontaminierter Kabinenluft, dem Aerotoxic Syndrome.

Das frage ich mich auch!  

In 100% der Fälle, wurden die Gesundheitsstörungen nach einem Fume Event durch die zuständige BG Verkehr nicht anerkannt. Bei mir wurden lediglich 8 Tage mit Kopfschmerzen und Unwohlsein berücksichtigt. Das wahre Ausmaß, also die diagnostizierten Störungen, wie z.B. die Small Fibre Neuropathie (SFN), soll ich irgendwo anders erworben haben. Wo, wurde mir bisher nicht gesagt.

Das verwunderliche bei dieser ganzen Angelegenheit ist, dass eigentlich niemand mehr wirklich einen Zusammenhang leugnet, selbst die Bundesregierung nicht, wie sie in Ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen selber schreibt:

„Einen möglichen Zusammenhang zwischen Störungen der Kabinenluftanlage und Erkrankungen von Passagieren oder Besatzungsmitgliedern hat die Bundesregierung nie ausgeschlossen. Vielmehr hat sich die Bundesregierung dafür eingesetzt, dass sich die zuständige europäische Agentur EASA des Themas annimmt.“ Quelle

Sicherlich kann man viele meiner Gesundheitsstörungen mit alternativen Diagnosen erklären, allerdings muss man in meinem Fall ein ganz besonderes Kriterium berücksichtigen, nämlich fünf unfallartige Expositionen mit Pyrolyseprodukten. Somit entfallen per „ Ober schlägt Unter“- Verfahren die möglichen anderen Erklärungswege bzw. verlieren deutlich an Gewicht.

Ein weiterer Punkt ist, dass ich nicht die Einzige bin mit entsprechenden Schädigungen nach Fume Event. Menschen aller Altersklassen, weiblich wie männlich, mit unterschiedlichen Hintergründen und Lifestyles haben exakt die gleichen Schädigungen, die nach einem Kabinenluftzwischenfall diagnostiziert wurden. Dies ist auch der einzige gemeinsame Nenner- die unfallartige Exposition im Flugzeug. Sonst nichts.

Obwohl alle Verantwortlichen „eigentlich“ Bescheid wissen, werden Betroffene wie ich alleine gelassen und es wird nichts unternommen.

Dies muss ein Ende haben und deswegen bin ich auch hier-

Ich fordere die Anerkennung der Gesundheitsstörungen nach einem Arbeitsunfall mit kontaminierter Kabinenluft durch die Berufsgenossenschaft Verkehr und Transport und fordere die sofortige Einleitung des Heilverfahrens mit allen damit einhergehenden Rechten und Pflichten für Geschädigte.

Ich möchte mich hier kurzfassen. Einen ausführlichen Bericht, kannst Du demnächst im Blog lesen.

Damit ich funktionsfähig bleibe, d.h. Konzentrations- und Leistungsfähig, muss ich viele Dinge beachten. Halte ich mich aber an meinen „Fahrplan“, geht es mir gut. Hauptsächlich das vermeiden von Exposition, also von Situationen in denen ich mit Dämpfen von Schadstoffen in Berührung komme, hat sich als hilfreich erwiesen. Schon die Schadstoffbelastungen der ganz allgemeinen Umwelt machen mir mittlerweile schwer zu schaffen.

Folgende Dinge und Situationen muss ich meiden:

Parfümierte Pflege- und Hygieneprodukte

Parfüms

Make-Up

Nagellack und Nagellackentferner

Desinfektionsmittel

Waschmittel mit Duftstoffen

Schadstoffbelastete Bettwäsche, Matratzen, Bettwaren

Schadstoffbelastete Möbel

Konventionelle Putzmittel (ich mische teilweise selbst)

Schadstoffbelastete Textilien

Behandelte Pflanzen (Pestizide)

Tankstellen

Autowaschanlagen

Stark befahrene Straßen und Kreuzungen

Flughäfen (ziemlich blöd, wenn der Arbeitgeber eine Airline ist)

Straßenbaustellen, bei denen geteert wird

Schwimmbäder

Frischgedüngte Felder

Rindenmulch

Plastikprodukte und Weichmacher

Raumdüfte

Parfümabteilung

Für mich als urbanisierte Frau war es eine krasse Umstellung. Anfangs bin ich in viele Situationen blind reingelaufen und habe mich immer gewundert, warum es mir jetzt plötzlich so schlecht geht, obwohl ich mich an Ernährungsplan usw. gehalten habe. „Exposition meiden“ hat sich für mich als wirkungsvollste Therapie erwiesen.

Zusätzlich ernähre ich mich vegetarisch, bio, regional und saisonal, bzw. versuche es so gut es geht. Mit der Ernährung kann ich v.a. meine kognitive Leistungsfähigkeit und meine Verdauung positiv beeinflussen. Das bedeutet zwar auf der einen Seite oft Verzicht, aber auf der anderen Seite mehr Lebensqualität für mich, weil ich endlich wieder klar denken kann.

Ein dritter Baustein, den ich regelmäßig beachten muss ist die optimale Versorgung mit Vitalstoffen. Dies gelingt mir durch wöchentliche Infusionen. Auch dazu mehr in einem Blogbeitrag.

Lebensqualität mit dem Aerotoxic Syndrome ist möglich, wenn man sich streng an den individuellen Fahrplan hält. Und trotzdem kommen sie immer wieder, auch wenn man alles beachtet hat- diese Episoden, Zeiten in denen der ganze Körper brennt vor Schmerzen, man das Gefühl hat, eine Rasierklingenabteilung feiert ´ne Party im Darm und man denkt, man hätte den IQ eines Debilen, weil man die einfachsten Zusammenhänge nicht versteht.  Das ist das Arschloch, die dunkle Seite der Krankheit. Diese dunklen Zeiten sind aber auch jedes Mal Momente der Wut und Motivation mich weiter für die Aufklärung dieses Problems stark zu machen. Niemand sollte das durchmachen! Deswegen mache ich immer weiter, um dieses Problem endlich zu beenden…