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CAQ

Willkommen in der Welt der Cabin Air Quality!

Hier findest Du eine Übersicht zu den wichtigsten Fakten zu Kabinenluftqualität,

auf Englisch- Cabin Air Quality.

Die Masse an Informationen ist enorm und ich werde hier versuchen die wichtigsten Erkenntnisse zu Kabinenluftvorfällen zusammenzutragen. Diese Kategorie wächst mit der Zeit, es lohnt sich also immer wieder mal vorbeizuschauen.

Klick dich durch und lerne die Fakten über Cabin Air Quality kennen.

Nun, es handelt sich um einen von der Industrie und den Behörden definierten Begriff, um eben die Qualität der Luft in Verkehrsflugzeugen zu beschreiben. Damit werden viele Faktoren mitinbegriffen, ohne sich ausschließlich auf die Klimaanlage, das sogenannte Environmental Control System (ECS) als Quelle für Kabinenluftkontaminationen zu beschränken. Ein „Geruchserlebnis“, wie die Berufsgenossenschaft Verkehr in meinem Bescheid schreibt, wäre dann ein CAQ Event.

Andere Wörter wären:

Fume Event, Smell Event, Kabinenluftzwischenfall, contaminated cabin air, kontaminierte Kabinenluft, bleed-air event, Zapfluftkontamination etc.

Schlussendlich beschreiben alle das eine:

Seit den 1950er Jahren ist bekannt, dass aufgrund der Bauweise der Klimaanlage in Verkehrsflugzeugen, die Kabinenluft mit gesundheitsschädlichen und potentiell hochtoxischen Stoffen, wie Pyrolyseprodukten aus dem Triebwerksbereich (Schmieröle, Organophosphate, wie TCP u.a.) bei unfallartigen Ereignissen, sogenannte Fume Events, kontaminiert werden kann.

Diese bei Fume Events freigesetzten Pyrolyseprodukte stehen aufgrund von internationalen, wissenschaftlichen Erkenntnissen in gut begründetem Verdacht, akute und chronische Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems mit z.T. erheblichen, auch bereits während des Fluges auftretenden kognitiven Einschränkungen (bei Piloten und Kabinencrew) hervorzurufen.

Wissenschaftlich ist es nicht mehr strittig, und sogar der Hersteller, also in meinem Fall Airbus, weist darauf hin, dass bei Versäumnissen der Wartung eine Kabinenluftkontamination durch das ECS stattfinden kann. Auch die EASA konnte bei ihren Messungen u.a. 127 gesundheitsschädliche Stoffe nachweisen.

Dieses Thema ist kein Neues und spielt in der Luftfahrtbranche schon lange eine Rolle.

Warum wir 68 Jahre später immer noch nicht weiter sind mit der Lösung dieses Problems und der Gewährleistung des Gesundheitsschutz der gesamten fliegenden Bevölkerung, lässt sich möglicherweise durch die nächsten Beiträge erklären. Eine vollständige Klärung und v.a. Regulierung wird vermutlich ohne ein Umlenken auf allen Seiten nicht gelingen.

Wie es zu diesen Verunreinigungen der Kabinenluft kommen kann, wird sehr schön hier gezeigt.

Eine sehr gute Zusammenfassung über die technischen Vorgänge im Flugzeug und wie es dann zu Fume Events kommt, hat Herr Prof. Dr. Dieter Scholz von der HAW veröffentlicht. Das Memo “Die Luft in der Kabine von Passagierflugzeugen ist nicht so gut wie oft angenommen – Hintergründe, Lösungsmöglichkeiten und deren Umsetzung” findest Du hier auf seiner Seite.

Meistens an einem sehr üblen, chemisch-beißenden Geruch, der häufig als “Käsefußgeruch” oder “nasser Hund” beschrieben wird. Ich habe bei vier von fünf Kabinenluftzwischenfällen diesen Käsefußgeruch in unterschiedlichen Intensitäten wahrgenommen, bei einem roch es nach Chlor, wie in einem Schwimmbad. Es roch bei meinen Vorfällen also immer. 

Dennoch gibt es auch Geschädigte, die nie einen Geruch wahrgenommen haben, dafür aber starke Symptomatik. Wie wir wissen sind die Toxine, die im Verdacht stehen Gesundheitsstörungen hervorzurufen überwiegend geruchsfrei.

Warum es manchmal riecht, und warum manchmal nicht, obwohl Symptome vorliegen, ist noch nicht abschließend untersucht. Unter Verdacht stehen, z.B. die einzelnen Leitungen für die “Klimazonen” im Flugzeug, die die Luft von der Mixing Unit aus in die Kabine leiten. Diese könnten Verunreinigungen aufweisen und dann für einen Geruch sorgen, allerdings ist dies noch nicht erforscht.

Ich erkenne also Fume Events am Geruch oder am Auftreten von Symptomatik.

Die Symptomatik nach Kabinenluftzwischenfällen, sogenannten Fume Events, ist sehr komplex und betrifft viele Organe bzw. Organsysteme. Mittlerweile ist bekannt, dass es sich um eine schwere Verletzung des zentralen (ZNS) und peripheren (PNS) Nervensystems handelt, welche zu den unterschiedlichsten Funktionsstörungen führt.

Nicht immer muss die Symptomatik sofort auftreten. Die Vergiftung mit den Kabinenluftschadstoffen kann schleichend verlaufen, so dass es häufig zu Alternativdiagnosen wie Multiple Sklerose, Depressionen, Migräne, Burn Out, Karpaltunnelsyndrom etc. kommt, weil Betroffene den Link zum Flug nicht mehr herstellen können. Umso wichtiger ist es sich nach jedem Fume Event in ärztliche Obhut zu begeben, auch wenn gefühlt keine Symptomatik vorliegt.  Eine individuelle, innere Schadstoffbelastung kann nur von einem kompetenten Mediziner mit unfallspezifischen Kenntnissen festgestellt werden. Erst nach dem Durchführen eines Biomonitoring, einer Lungentestung, einer kognitiven Testung und einer Small Fibre Diagnostik kann ausgeschlossen werden, dass man wirklich unbeschadet  von dem Kabinenluftzwischenfall blieb.

Welche Symptome sind also beschrieben?

Im Gastrointestinalen Bereich (Magen-Darm):

Übelkeit, Erbrechen, Pelziges Gefühl im Mund, erhöhter Speichelfluss, Mundtrockenheit 

Kognitive Einschränkungen:

Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen, Probleme bei geistiger Arbeit, Koordinationsprobleme

Beschwerden der peripheren Nerven/Parästhesien:

Kribbeln, Muskelzucken, Taubheit, Krämpfe, Eingeschlafene Extremitäten

Probleme der Atmung:

Atemnot, Schmerzen beim Atmen, Reizung der tieferen Atemwege, Husten, irritierter/brennender Rachen, Nase rinnt/zu trocken/irritiert, Druck auf den Nasennebenhöhlen, Nasenbluten

Kardiale Symptome:

Schmerzen/Enge in der Brust, Herzrasen/Tachykardie, Herzkreislaufstörungen, Bradykardie, Herzrythmusstörungen

Sicht/Augen:

tränenende oder trockene Augen, verschwommen Sicht

Quelle: Bornemann et al, ECA Guidelines 2017

Solltest Du eines oder mehrere Symptome nach einem Kabinenluftzwischenfall bei Dir beobachten, kann ich nur empfehlen, dass Du Dich umgehend in ein Krankenhaus begibst. 

Wie wir wissen, muss nicht jedes Fume Event riechen, deshalb könnten diese Symptome auch ein Anhaltspunkt dafür sein, dass Schadstoffe in der Kabinenluft vorhanden sind, ohne dass es nach “Käsefuß” riecht.

In jedem Fall ist ein oder mehrere Ärzte mit Fachkenntnissen nach jedem Kabinenluftzwischenfall mit oder ohne Geruch aufzusuchen.

Nein, bisher noch nicht!

Für Airlines und Behörden fehlt hier die Grundlage, denn schließlich ist auch laut diesen Behörden die Luft in Flugzeugen genauso gut oder besser wie in Kindergärten. 

Crews gehen nach Fume Events also ins Krankenhaus und lassen sich medizinisch versorgen, während Passagiere völlig uninformiert aus dem Flugzeug aussteigen. Das muss sich ändern!

Passagiere müssen über Fume Events informiert werden und damit die Möglichkeit bekommen sich medizinisch versorgen zu lassen.

Auch dafür setze ich mich politisch ein!

Zunächst einmal ist es nur ein Begriff, der von drei Wissenschaftlern Ende der 1990er Jahre eingeführt wurde, um die akuten und chronischen Symptome nach Kabinenluftzwischenfällen zu beschreiben und zusammenzufassen.

In Deutschland ist dieser Begriff sehr umstritten, da er in der Vergangenheit eher in negativen Kontext gefallen ist, ins Lächerliche gezogen und mit Krankheiten wie dem Münchhausen Syndrom verglichen wurde. Deshalb versuchen betroffene Crewmitglieder diesen Begriff zu vermeiden. Natürlich ist dies auch immer noch ein Problem dahingehend, weil dieser Begriff in Zusammenhang mit einer “F-Diagnose” bei der Bescheinigung der dauerhaften Fluguntauglichkeit genannt wird. Zahlreiche Kolleg*innen konnten trotz vieler festgestellten Schädigungen, die dauerhafte Fluguntauglichkeit (DFU) nur erlangen, indem sie einer “F-Diagnose”, wie z.B. Depressionen, zustimmten. Der F-Schlüssel ist hier allerdings ungeeignet, da es sich bei allen Symptomen um Erkrankungen nach Vergiftung mit Organophosphaten und schnellflüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) handelt, die eben u.a. auch Depressionen hervorrufen können.

Im internationalen Ausland wird dieser Begriff weitestgehend selbstverständlich angewandt. In zahlreichen Studien, u.a. auch in der WHO Studie zur Anerkennung als Berufskrankheit , wird der Begriff verwendet, um die sehr komplexe akute sowie chronische Symptomatik nach Kabinenluftzwischenfällen zu beschreiben. Besonders im englischsprachigen Raum ist dieser Begriff geläufig, um die Vergiftungen nach Kabinenluftzwischenfällen, aber auch die dauerhafte Exposition mit Kontaminanten im niederschwelligen Bereich zu beschreiben.

Ich verwende den Begriff um die Aufmerksamkeit möglichst vieler Menschen zu erhalten. Die meisten haben noch nie etwas von Fume Events oder Aerotoxic Syndrome gehört, und die Wahrscheinlichkeit, dass diese Begriffe wahrgenommen und gegoogelt werden ist größer, als dass jemand “Intoxikation mit Organophosphaten und schnellflüchtigen organischen Verbindungen während Kabinenluftzwischenfällen” recherchiert. Es steckt also in meinem Fall eine Art “Marketingstrategie” dahinter.

Zudem möchte ich, dass meine Krankheit als eigenständige Krankheit mit eigener ICD-Code Erfassung definiert und als Berufskrankheit anerkannt wird, die einem besonderen Arbeitsplatz geschuldet ist, den man nicht mal eben verlassen kann und auch kein Fenster öffnen kann. Somit können auch keine Grenzwerte Anwendung finden. Diese Belastung im Flugzeug ist so individuell, wie sie sonst nirgendwo anders gefunden werden kann. Alles muss also ganz genau und neu definiert werden, was ein riesen Rattenschwanz ist. Trotzdem muss genau dieser Rattenschwanz angegangen werden, damit Betroffene endlich die dringend nötige Hilfe erhalten!

Die Berufsgenossenschaft für Verkehr und Transport, kurz BG Verkehr, ist die für Flugpersonal zuständige Berufsgenossenschaft. 

Berufsgenossenschaften sind eine feine Sache, zumindest für die Arbeitgeber. Sie sind die Träger der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), einem Teil des deutschen Sozialversicherungssystems, und unterstehen dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Die DGUV ist dafür verantwortlich Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten und nach dem Eintritt dieser Versicherungsfälle die Gesundheit und die Erwerbsfähigkeit der Versicherten „mit allen geeigneten Mitteln“ wiederherzustellen. Die gesetzliche Grundlage hierfür bildet das Siebte Sozialgesetzbuch (SGB VII). Die BG Verkehr ist also das zuständige ausführende Organ der DGUV, die Arbeitnehmer*innen im Flugbetrieb über mögliche Gesundheitsgefahren aufklären müssen und im Falle eines Arbeitsunfalles, alle geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Erwerbsfähigkeit der Arbeitnehmer*in wiederherzustellen. Bei Eintritt einer Berufskrankheit, wäre, z.B. eine entsprechende Rente zu bezahlen.

Bisher hat die BG Verkehr Versicherungsfälle nach Fume Event zu 100% abgelehnt und entzieht sich ihrer gesetzlich definierten Verantwortung. Auch die Präventionsabteilung der BG Verkehr, unter der Leitung von Dr. Jörg Hedtmann, glänzt bisher durch Nicht-Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflichten.  

Die European Aviation Safety Agency, kurz EASA, ist die europäische Flugsicherheitsbehörde mit Sitz in Köln. Sie wurde am 15. Juli 2002 auf Beschluss des EU Parlaments und des EU Rats gegründet. Ihr obliegen alle europäischen Gesetzgebungen hinsichtlich der Flugsicherheit, also z.B. Zulassungskriterien für Flugzeuge, Vorgabe von Wartungsstandards, gesetzliche Definition von Untersuchungskriterien nach Vorfällen und Unfällen etc. Diese Gesetzgebung wird dann durch die nationalen Behörden umgesetzt, in Deutschland durch das Luftfahrtbundesamt (LBA) und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), die wiederum dem Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) unterstehen.